Aus der Spur

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Variationen über das Phänomen Trümmerfrauen

Aus der Spur
Andrea Terfort o.T. 2011

Sechs Künstlerinnen präsentieren vom 10. Mai bis 14. Juni 2015 im Bonner Frauenmuseum ihre Arbeiten zum Thema „Trümmerfrauen“ der Öffentlichkeit. Die Ausstellung reiht sich nahtlos ein in den aktuellen Diskurs über das Phänomen der Trümmerfrau: Gab es sie in diesem Ausmaß wirklich oder sind Trümmerfrauen im Nachhinein hochstilisiert worden? Die Autorin Leonie Treber hat mit ihrem Buch „Mythos Trümmerfrauen“ das altgediente Bild von Frauenhänden, die maßgeblich am Wiederaufbau Deutschlands beteiligt waren, ins Wanken gebracht. Es stellt sich in der aktuellen Diskussion die Frage, warum auf der einen Seite so hartnäckig an dem Bild der heroischen Trümmerfrau festgehalten wird, und auf der anderen Seite so unbedingt daran gerüttelt werden muss. Offenbar geht es auf beiden Seiten um mehr: Nämlich um die Rolle der Frau in unseren gesellschaftlichen Bezügen, um den Stand der Emanzipation, um Rollenzuweisung oder selbst gewählte Rolle, um die reproduzierende Kraft, als Mutter und Hausfrau und um ihre Karrierechancen, wie die aktuelle Quotendiskussion und der Vorstoß der Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig zeigt.

Welchen Stellenwert hat Kunst in dieser gesellschaftspolitischen Debatte? Die sechs Künstlerinnen bearbeiteten dieses „Trümmerfeld“, das als Parallelausstellung im Rahmen von „Frauen in Krieg und Frieden 15 – 45 – 15“ im Frauenmuseum zu sehen ist, im Kollektiv, aber jeweils auf sehr individuelle Weise. Dabei behalten sie die Historie im Kopf, sehen aber den Trümmerfrauenaspekt als epochenübergreifende Frage. So lässt Helga Vissers aus Findlingen Findelkinder werden. Uta Krüger-Naumann bringt Schokoladenpanzer am geöffneten Schlitz einer Kittelschürze zum Schmelzen. Francis Mesenhöller parodiert die „weiße Weste“ mit der ätzenden Wirkung eines altbekannten Waschmittels. Andrea Terfort vollzieht eine Geschlechtsumwandlung auf Bauarbeiterschildern. Annedore Richter näht die ausgetrennte Figur eines herrschaftlichen Militärs aus einem Ölgemälde wieder notdürftig ein. Andrea Gawaz lässt in ihrem Gemälde eine Frauenfigur, bedroht von ins Bild hereinragenden dunklen Säcken, in ein Nichts weißen Lichts eindringen.

Keines der Kunstwerke arbeitet mit plakativen Aussagen oder heroisiert die Trümmerfrau. Die zumeist als Installationen oder Objektkunst präsentierten Arbeiten stellen uns eher Fragen als dass sie Behauptungen aufstellen. Sie eröffnen durch ihre spezielle Materialkombinationen und inhaltlichen Bezüge ungeahnte oder bisher unbekannte Aspekte, die Frau, Mutter, Kind, Trümmer, Krieg, Gewalt, Restauration, Emanzipation, Erfüllung, Ausbeutung, Glück und Trauer miteinander in Beziehung bringen. Jede der Künstlerinnen ist sich der Aufgabe der Kunst in unserer heutigen Kultur bewusst, nämlich über den sprachlich-inhaltlichen Horizont der politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung hinaus zu wirken, durch ihre Werke Möglichkeiten von Wirklichkeit zu erzeugen, die uns als BetrachterInnen von unserem sogenannten wahrheitsgetreuen Bild oder unserer festgefahrenen Sichtweise zu befreien vermögen. Letztlich sind Bilder stärker als Worte, das beweisen die sechs Künstlerinnen in ihrer Ausstellung „Aus der Spur“.

Öffentliche Führungen:
Sonntags um 13 Uhr sowie nach Vereinbarung

Pressekonferenz: 8.5.2015, 11 Uhr

Vernissage 10.5.2015, 12 Uhr

Das erste Frauenmuseum weltweit zeigt Kunst und Geschichte von Frauen – interdisziplinär und international. Themenausstellungen greifen aktuelle Diskussionen und wissenschaftliche Forschungsergebnisse auf. Insbesondere die Geschichte der Frauen von matriarchaler Vorzeit bis in unsere Gegenwart wird lebendig dargestellt.

Wer zum ersten Mal in dieses Museum kommt, der staunt in der Regel nicht schlecht: Das Bonner Frauenmuseum ist mit Sicherheit kein Museum, das sich in die Phalanx der rheinischen Museumslandschaft nahtlos einfügt. Warum nicht?
Dieses Museum ist definitiv näher am Puls der Zeit: Die Ausstellungen greifen aktuelle Fragen, wissenschaftliche Forschungsergebnisse und politische Diskussionen auf. Darunter brisante Themen wie Sexhandel, Mythos Mutter, Frauenwahlrecht, Alleinerziehende, Frauen der Weltreligionen. Das Frauenmuseum ist schneller als andere: Die Themenausstellungen wechseln im Schnitt alle drei Monate. Und es ist ein Museum, das weit mehr unternimmt als klassische Ausstellungstätigkeit. Die Kunstmesse im November und die Mode- und Kunstkleidermesse im März sind solche Highlights. Spätestens an solchen Wochenenden wird auch dem letzten Besucher klar: Das Frauenmuseum ist ein offenes Haus, ein Labor, bereit für viele Experimente und noch nicht Erprobtes. Hier gibt es die innovativen Dinge zu sehen, die noch nicht unter dem Diktat des Kunstmarktes stehen, sondern noch frisch (im wahrsten Sinne des Wortes) sind. Klar, diese Museumsphilosophie ist auch eine Herausforderung für Besucher. Hier geht es nicht um Kunstkonsum, sondern vor allem um das aktive Kunsterlebnis – leichter ist: ein Picasso ist eben ein Picasso, ein Picasso…

Dürfen Männer ins Frauenmuseum? Klar: Für nur 4,50EUR dürfen sie sich bilden und inspirieren lassen und mittlerweile erlauben die Museumsfrauen ausgewählten Künstlern sogar im Haus auszustellen.
Gegründet wurde das Museum 1981 von Marianne Pitzen, der heutigen Direktorin, und einer Gruppe interdisziplinär arbeitender Frauen. Getragen wird es unter anderem vom Verein \“Frauenmuseum – Kunst, Kultur, Forschung e.V.\“ mit knapp 400 Mitgliedern. Mittlerweile schaut das Frauenmuseum auf über 600 Ausstellungen zurück und ist mit seinen umfangreichen Begleitprogrammen, dem Kinderatelier und drei unterschiedlichen Archiven längst zu einer auch international anerkannten Institution geworden. Den Modellcharakter des Museums als Werkstatt, Ideenpool und Laboratorium unterstützen zusätzliche Atelierräume für Künstlerinnen. Seit Bestehen des Museums wurden Arbeiten von mehr als 2500 Künstlerinnen gezeigt. Viele von ihnen konnten sich inzwischen auf dem internationalen Kunstmarkt etablieren. Das Frauenmuseum Bonn ist außerdem Sitz des 2012 gegründeten Verbandes International Association of Women’s Museums.

Ausstellungen:

19.4. bis 8.11.2015
Frauen in Krieg und Frieden 15 – 45 – 15. Geschichte, Dokumente und zeitgenössische Kunst.

10.5. – 14.6.2015
Ateliergemeinschaft Schloss Senden: Trümmerfrauen – Aus der Spur.

21.6. – 16.8.2015
Homa Emami: Im Labor der Zeichen und Dinge.

23.8. – 11.10.2015
Marlen Seubert: Projektionsfläche Haut

18.10. – 1.11.2015
Blue Roof Museum, Chengdu

Kontakt
Frauenmuseum
Dr. Klaudia Nebelin
Im Krausfeld
53111 Bonn
0228 92 89 45 27
[email protected]
http://www.frauenmuseum.de

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Ausstellung in Berlin: Ausgebombt! Eine Zeitreise zur Stunde Null.
Montagen des Berlins von 1945 mit dem Berlin der Gegenwart. (Bildquelle: Verwendetes Originalbild: Landesarchiv Berlin)

In der Ausstellung zum Jahrestag des Kriegsendes 1945 begibt sich der Berliner Fotograf und Designer Alexander Kupsch auf eine „Zeitreise zur Stunde Null“. 30 Bildmontagen und Animationen verbinden damals und heute zu einem neuartigen Bild des Berliner Stadtzentrums. Für die Betrachter wird es durch die ungewöhnliche Bildtechnik möglich, sich die bewegte Zeitgeschichte vorzustellen.

Die multimediale Zeitreise in die Berliner Vergangenheit wird vom 4. Mai bis zum 13. Mai 2015 täglich von 12:00 – 19:00 Uhr im orangelab der CB.e AG am Ernst-Reuter-Platz 2 präsentiert. Gehen Sie auf Entdeckungsreise in die Berliner Geschichte und erleben Sie die Nachkriegszeit auf völlig neue Weise.
Standort: orangelab
Strasse: Ernst-Reuter-Platz 2
Ort: 10587 – Berlin (Deutschland)
Beginn: 04.05.2015 12:00 Uhr
Ende: 13.05.2015 19:00 Uhr
Eintritt: kostenlos

Der Verlag \“Gruss aus Berlin\“ präsentiert seit 2010 neuartige Ansichtskarten. Die rund 100 Motive aus ganz Berlin basieren auf Ansichtkarten von 1900-1910 und Aufnahmen der Schauplätze von heute. Digital werden alt und neu täuschend echt miteinander verbunden. Schöneberg, Kreuzberg, Mitte, Moabit, Wilmersdorf, Spandau und Charlottenburg sind bereits dokumentiert. Der Bezirk Neukölln wird im Sommer 2015 präsentiert. Parallel dazu werden Sonderthemen umgesetzt, wie z.B. der Deportationsweg Berliner Juden quer durch den Bezirk Moabit und die multimediale Ausstellung zum Kriegsende 1945.

Kontakt
Gruss aus Berlin Verlag
Alexander Kupsch
Kirchstraße 25
10557 Berlin
0178/3803920
[email protected]
http://www.grussausberlin.de

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