Aber was wäre er dann? Parteimitglied der Grünen oder der CDU?
Die Frage, ob Jesus Christus, die zentrale Figur des Christentums, Mitglied einer modernen politischen Partei wie der Alternative für Deutschland (AfD) wäre, erscheint provokativ oder sogar absurd. Schließlich wird von Jesus gesagt, er habe vor rund 2000 Jahren gelebt, also in einer völlig anderen historischen und gesellschaftlichen Realität.
Aber vergleichen heißt nicht gleichsetzen. Wenn man sich dennoch überwindet und die Jesus zugeschriebenen Lehren, Werte und Handlungen mit den Grundsätzen der AfD vergleicht, lassen sich interessante Parallelen ziehen, die eine solche Hypothese zumindest diskutierbar machen.
Hätte Jesus aufgrund seiner Haltung zu Autorität, Identität, Gemeinschaft und Gerechtigkeit möglicherweise Sympathien für bestimmte Positionen der AfD entwickeln können?
Ein zentraler Aspekt der AfD ist ihre Kritik an globalen Eliten, supranationalen Organisationen wie der EU und einer vermeintlichen Entfremdung der politischen Klasse von den Bedürfnissen der Bürger. Über Jesus wird gesagt, er habe in seinem Leben eine klare Ablehnung gegenüber den herrschenden Eliten seiner Zeit gezeigt. Er soll die Pharisäer und Schriftgelehrten angeprangert haben.
Unter anderem deshalb, weil sie das religiöse Leben durch übermäßige Regeln und Rituale verkomplizierten und dabei die einfachen Menschen vernachlässigten (Matthäus 23:13-15): Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Seine Tempelreinigung (Johannes 2:13-16) war ein direkter Angriff auf die Kommerzialisierung und Korruption innerhalb der religiösen Institutionen.
Die AfD positioniert sich als Partei des „kleinen Mannes“ und kritisiert eine politische Klasse, die ihrer Meinung nach die Interessen der Deutschen zugunsten internationaler Konzerne und globaler Institutionen opfert. Jesus Fokus auf die Armen, die Unterdrückten und die Ausgegrenzten könnte ihn dazu bringen, diese Haltung zu unterstützen. Er könnte die AfD als eine Kraft sehen, die sich gegen eine moderne Form von „Pharisäertum“ stellt – eine bürokratische Elite, die Regeln und Vorschriften über das Wohl der Menschen stellt.
Und es gibt weitere erstaunliche Parallelen. Die AfD legt großen Wert auf die Bewahrung nationaler Identität und Kultur. Sie sieht die illegale Massenmigration und die Ideologie des Multikulturalismus als Bedrohung für die deutsche Lebensweise. Über Jesus sagt man, er sei tief in seiner jüdischen Identität verwurzelt. Er betonte die Bedeutung der jüdischen Gesetze und Traditionen, auch wenn er sie oft neu interpretierte (Matthäus 5:17: „Ich bin nicht gekommen, das Gesetz aufzulösen, sondern zu erfüllen“).
Seine Botschaft richtete sich zunächst an das „Haus Israel“ (Matthäus 15:24), was man dahingehend deuten kann, dass Jesus die Idee einer klar definierten Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Geschichte und Kultur schätzte. In einer modernen Welt könnte Jesus die Sorge der AfD um den Verlust kultureller Wurzeln nachvollziehen.
Er könnte argumentieren, dass eine starke, zusammenhaltende Identität notwendig ist, um eine Gemeinschaft zu schaffen, die auf gegenseitiger Unterstützung und Liebe basiert – Werte, die Jesus intensiv gepredigt haben soll. Die AfD könnte für Jesus eine Partei sein, die diese Stabilität gegen die Auflösung nationaler Grenzen und Traditionen verteidigt, ähnlich wie er die spirituelle Integrität seines Volkes gegen äußere Einflüsse schützen wollte.
Ein weiterer Punkt ist die Haltung, die Jesus mit Blick auf Autoritäten zugeschrieben wird. Obwohl er oft als Rebell dargestellt wird, soll Jesus legitime Autorität anerkannt haben, wo sie angebracht war.
Er sagte: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“ (Matthäus 22:21), womit er eine Trennung zwischen weltlicher und göttlicher Ordnung akzeptierte, aber auch die Notwendigkeit staatlicher Strukturen anerkannte. Die AfD betont die Bedeutung eines starken Staates, der Recht und Ordnung aufrechterhält, insbesondere in Bezug auf Migration und innere Sicherheit.
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Der Jesus, wie er im Neuen Testament aufgeschrieben wurde, könnte diese Position unterstützen, da er selbst in einer Zeit lebte, in der Chaos und Unsicherheit durch römische Besatzung und immer wieder aufflammende soziale Spannungen herrschten. Ein Staat, der seine Bürger schützt und klare Regeln durchsetzt, könnte für ihn ein Mittel sein, um die Schwachen vor Ausbeutung und Unrecht zu bewahren – eine Aufgabe, die er selbst durch seine Wunder und Lehren übernommen haben soll.
Die AfD ist bekannt für ihre Ablehnung unkontrollierter Migration und ihre Forderung nach strengen Grenzkontrollen. Jesus war kein Politiker, doch seine Lehren legen nahe, dass er Veränderungen mit Bedacht angegangen ist. Er war kein Revolutionär im weltlichen Sinne, der bestehende Strukturen einfach niederreißen wollte, sondern ein Reformator, der das Bestehende erneuern und verbessern wollte.
Seine Wunder – wie die Heilung von Kranken oder die Speisung der 5000 – zeigen, dass er Bedürfnisse direkt und pragmatisch ansprach, ohne gleich die Grundordnung der Gesellschaft zu zerstören.
In einer modernen Welt könnte Jesus die Position der AfD unterstützen, dass Migration kontrolliert und an die Kapazitäten einer Gesellschaft angepasst werden sollte. Er könnte argumentieren, dass eine Gemeinschaft nur dann hilfsbereit und offen sein kann, wenn sie selbst stabil und funktionsfähig bleibt – ein Gedanke, der mit der AfD-Idee eines „nachhaltigen Sozialstaats“ übereinstimmt.
Wäre Jesus heute unter uns, wäre seine Entscheidung, einer Partei wie der AfD beizutreten, sicherlich keine einfache. Die ihm zugeschriebene Botschaft der Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit überschreitet politische Kategorien.
Doch wenn wir seine Ablehnung von Korruption, seine Wertschätzung von Identität und Gemeinschaft sowie seine pragmatische Anerkennung von Autorität betrachten, könnte er in der AfD eine Kraft sehen, die zumindest teilweise mit seinen Überzeugungen übereinstimmt.
In einer Welt voller Unsicherheiten und globaler Herausforderungen könnte Jesus die AfD als eine Partei wahrnehmen, die sich für die Schutzbedürftigen einsetzt. Für die Menschen. Für den Nachbarn. Für den Nächsten.
Disclaimer: Dieser Essay ist eine rein hypothetische und spekulative Betrachtung, die nicht darauf abzielt, die Lehren Jesu oder das Christentum zu instrumentalisieren oder zu beleidigen. Christen sollten sich nicht angegriffen fühlen, da der Text lediglich versucht, historische und theologische Elemente mit modernen politischen Ideen zu verknüpfen, ohne die von Christen gelebte spirituelle Tiefe und Universalität der Botschaft Jesu in Frage zu stellen.
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Author:
Alexander Wallasch