Wenn Sie sich mal wieder gefragt haben, wie man einen Abstieg als Fortschritt verkauft – die Polizei Hamburg liefert die Antwort. Sie schafft das Diktat im Eignungstest ab. Nicht, weil Sprache plötzlich unwichtig wäre. Sondern weil über 60 Prozent der Bewerber daran scheiterten. Die Lösung? Nicht besser werden – sondern die Messlatte senken.
Der neue Maßstab heißt: Es soll sich niemand schlecht fühlen. Fehler zählen nicht mehr. Wie übrigens auch in der Schule, wie ich schon vor Monaten hier dokumentierte: Auf Beschluss der Kultusminister der Länder spielt Rechtschreibung bei Klassenarbeiten immer öfter keine Rolle mehr – selbst in Deutsch. Noten werden aufgehübscht, Anforderungen gestrichen. Leistung wird zur Kränkung, Autorität zur Aggression. Willkommen in der Komfortzone. Willkommen in der Idiokratie.
Dabei wäre Leistungsglück das, was dieses Land bräuchte. So formulierte es der Unternehmer Jochen Spethmann, und Nena Brockhaus griff es in ihrer „Focus“-Kolumne auf: Glück durch Anstrengung. Durch Überwindung. Durch das stolze Gefühl, etwas geschafft zu haben. Nur: Dieses Gefühl ist auf dem Rückzug. Es wird ausgemerzt, bevor es sich entfalten kann – weil es zu sehr anstrengt.
Man will ja niemanden „beschämen“. Nicht die mit schwacher Rechtschreibung. Nicht die mit schlechter Kondition. Nicht die, die glauben, Kommas seien optional. Also passen wir das System an. Das Denken? Optional. Das Gendersternchen? Pflicht. Das Diktat? Weg.
Und so landen wir in einem Land, das lieber fragt, ob Polizeibewerber Intimpiercings tragen – als ob sie einen Satz fehlerfrei schreiben können.
Je schlechter die Bewerber, desto niedriger die Hürde?
Der Trend ist nicht neu. In Nordrhein-Westfalen wurde der Fitnesstest für Polizeianwärter schon früher entschärft. Und auch in Schulen ist Sitzenbleiben auf dem Rückzug – nicht, weil Kinder schlauer geworden sind, sondern weil man ihnen keine schlechten Nachrichten mehr zumuten will.
Die Bundesjugendspiele? Wurden vielerorts zur Kuschelveranstaltung umgebaut. Zur Trostpreis-Olympiade. Beim Weitsprung etwa wird nicht mehr in Zentimetern gemessen, sondern in Zonen. Zone A, B oder C – das klingt netter. Wer kaum abspringt, bekommt eben trotzdem ein freundliches C. Kein Kind soll sich ausgeschlossen fühlen. Auch wenn es gar nicht wirklich gesprungen ist.
In den USA wird bereits diskutiert, ob Mathematik diskriminierend sei, weil sie zu sehr auf richtig oder falsch beharre. Klarheit wird verdächtigt, Verwirrung als Vielfalt gefeiert. Und Deutschland schaut bewundernd hin.
Denn auch hier verwechseln wir längst Gleichheit mit Gleichgültigkeit. Wohlfühlen mit Weiterkommen. Anspruch mit Zumutung.
Dabei ist das Diktat kein Relikt aus der Kreidezeit, sondern ein Werkzeug. Wer es abschafft, kapituliert. Nicht nur sprachlich – sondern geistig.
Wo der Ehrgeiz endet, beginnt der Verfall
Die Polizei Hamburg nennt das eine „Modernisierung“. Tatsächlich ist es die sprachliche Bankrotterklärung. Und das nicht einmal im Verborgenen – sondern mit Pressemitteilung und offizieller Begründung. Dass große Medien das Thema verschlafen, ist fast ebenso schockierend wie der Vorgang selbst. Es passt ins Bild: Wer darauf hinweist, gilt als gestrig. Wer applaudiert, als fortschrittlich.
Was wir verlieren, ist mehr als ein Testverfahren. Es ist die Fähigkeit, klare Sätze zu schreiben – und zu denken. Die Bereitschaft, sich anzustrengen. Der Stolz, etwas geleistet zu haben. Und am Ende vielleicht sogar: das Vertrauen in eine Polizei, die lieber Gender-Workshops besucht, als Diktate zu bestehen.
Leistung ist kein Feind. Disziplin kein Trauma. Und wer meint, man könne ein Land mit Wohlfühl-Workshops retten, wird sich bald wundern, wie schnell es zerfällt.
Denn wo der Ehrgeiz endet, beginnt der Verfall.
Und das ist keine Meinung. Sondern ein klarer Satz.
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