Was bleibt eigentlich von einem historischen Ausnahmezustand, wenn sich niemand mehr daran erinnern will?
Kaum fünf Jahre nach dem Corona-Ausbruch wird in Berlin der neue Koalitionsvertrag verhandelt. Und obwohl SPD, CDU und CSU vor der Wahl noch hoch und heilig eine Aufarbeitung der Pandemie-Politik angekündigt hatten, heißt es nun plötzlich: „Nicht wirklich.“ So zitiert die „Welt“ (hinter einer Bezahlschranke) einen Verhandler aus den Arbeitsgruppen mit einem Satz, der es in sich hat. „Eine parlamentarische Aufarbeitung der Corona-Jahre? Davon sei ‚nicht wirklich‘ die Rede.“
Ein Satz, der für sich steht. Und alles sagt.
Die Begründung dafür? Auf gut Deutsch: Man wolle nicht „in Schuld und Schuldige“ verfallen. Denn das sei ja nicht konstruktiv. Verständlich, möchte man fast sagen – vor allem für jene, die bis heute keinerlei Schuldbewusstsein verspüren. Und die trotzdem wieder Ministerposten anstreben.
Dabei war doch alles versprochen worden: Untersuchungsausschüsse, Enquetekommissionen, Transparenz. Karl Lauterbach selbst hatte noch im Januar öffentlich gefordert, die Aufarbeitung müsse in den Koalitionsvertrag. Jetzt, wo es ernst wird, fehlt davon jede Spur.
Die „Welt“-Redakteurin Elke Bodderas hat in ihrem leider nicht frei zugänglichen, bemerkenswerten Artikel – einem der wenigen klaren Texte zum Thema – nüchtern zusammengetragen, was Millionen Menschen in Deutschland immer noch beschäftigt: die offene Wunde. Die Spaltung. Die nie erklärte Ächtung. Und die Abwesenheit jedes Wortes der Versöhnung.
Sie schildert eine Veranstaltung der ärztlichen Hufelandgesellschaft in einem Berliner Hörsaal. Eine unscheinbare Podiumsdiskussion. Und doch: Die Unruhe im Saal war greifbar. Das Publikum – allesamt Ärzte, Forscher, Akademiker – wollte Antworten. Auf Fragen, die die Politik offenbar nie stellen wollte:
- Wie konnte es sein, dass regierende Politiker am Parlament vorbei durchregierten?
- Warum mussten Kinder monatelang zuhause bleiben – ohne Evidenz?
- Wie kam es zu einer Hysterie, die selbst engsten Angehörigen den Zutritt zu Sterbenden verweigerte?
Die Antworten darauf kennt man. Nur aussprechen will sie keiner mehr. Und die wenigen, die es tun – wie die Immunologen Radbruch oder Kekulé – waren schon damals unerwünscht. Heute werden sie ignoriert wie eh und je.
Stattdessen sagt Jens Spahn sinngemäß: Es sei doch „alles in allem gut gelaufen“. Karl Lauterbach formuliert es ähnlich. Als hätte man gerade einen Verwaltungsakt abgeschlossen. Als sei das alles ein bisschen schiefgelaufen, aber im Großen und Ganzen: passt schon.
Dabei ist nichts vorbei. Und nichts verarbeitet. Die gesellschaftlichen Risse sind tiefer denn je. Das Vertrauen – dahin. Millionen Menschen fühlen sich heute von ihrer Regierung nicht nur im Stich gelassen, sondern betrogen. Wer einmal erlebt hat, dass der Staat bereit ist, in Grundrechte einzugreifen, weil es politisch opportun ist, der wird nie wieder unbefangen zurückkehren.
Doch genau das ist offenbar der Plan: Vergessen statt aufarbeiten. Weitermachen statt fragen. Aussitzen statt erinnern. Dabei hat Deutschland noch nicht einmal angefangen, sich selbst in die Augen zu schauen.
Die entscheidende Frage lautet also nicht mehr: Wann beginnt die Aufarbeitung?
Sondern: Wie lange lässt sich das Schweigen noch durchhalten?
Denn die Halbwertszeit dieses Themas ist – wie Bodderas schreibt – „wie die Strahlung atomaren Restmülls“. Es wird nicht verschwinden. Auch wenn manche das hoffen. Auch wenn andere Angst davor haben, was alles ans Licht käme.
Und vielleicht kommt die eigentliche Aufarbeitung – ausgerechnet – aus dem Ausland. In den USA hat mit Robert F. Kennedy Jr. ein erklärter Maßnahmenkritiker, der 2021 extra zur Querdenken-Demonstration nach Berlin gekommen war, das Gesundheitsministerium übernommen. Und einer seiner wichtigsten Berater ist Jay Bhattacharya, Professor an der Stanford University und seit dem 1. April 2025 Direktor des National Institutes of Health (NIH) – einer der Mitautoren der Great Barrington Declaration. Eines Dokuments, das sich bereits im Herbst 2020 gegen Lockdowns, Schulschließungen und Angstkampagnen wandte – und dessen Autoren dafür in Europa von Drosten und Konsorten heftig diffamiert wurden.
Was in Deutschland bis heute undenkbar scheint, wird jenseits des großen Teichs gerade Realität: eine Aufarbeitung durch die Institutionen selbst. Und das, obwohl die USA von der Pandemie ebenso hart getroffen wurden.
Vielleicht braucht es genau diesen Impuls von außen, damit auch hierzulande endlich jemand den Mut aufbringt, die Vergangenheit anzusehen – statt sie zuzudecken.
Ich glaube: Genau darin zeigt sich das eigentliche Erbe der Pandemie. In einer politischen Klasse, die Irrtümer nicht eingesteht, Verantwortung meidet und sich am liebsten selbst entschuldet – durch Schweigen.
Denn die Aufarbeitung ist keine Frage der Schuld. Sondern der Würde.
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Bild: fokke baarssen / Shutterstock.com
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