Von Kai Rebmann
Ein neuer und zugleich sehr bedenklicher Trend breitet sich seit einigen Jahren über Deutschland aus. Erst war es die Corona-Krise, die oft biederen Beamten auf der Ebene eines Dorf-Sheriffs bisher nicht gekannte Macht über ihre Mitmenschen verliehen hat. Eine Flut von Knöllchen wegen „Ordnungswidrigkeiten“ wegen Verstößen gegen die damals geltende, nach Expertenmeinung aber völlig sinnbefreite Maskenpflicht im Freien war die Folge. Die Bilder von Streifenwagen, die Jugendliche durch Parks jagen, oder von Ordnungsamtsmitarbeitern, die Kontrollen auf Rodelbahnen durchführen, sind wohl jedem noch in leidlicher Erinnerung.
Zuletzt sorgten deutsche Staatsanwälte im US-Fernsehen für Empörung, die unter sichtlicher Erheiterung darüber berichteten, wie sie ihren Mitmenschen die Handys wegnehmen können – und wie entsetzt diese dann darauf reagierten. Jetzt hat das von den Grünen geführte Finanzministerium in Baden-Württemberg „nachgelegt“ und seine eigene Verachtung gegenüber dem Steuerzahler ganz ungeniert zum Ausdruck gebracht.
In einem inzwischen gelöschten Tiktok-Video sind der Ministeriumssprecher Sebastian Engelmann und zwei Mitarbeiter des internen Social-Media-Teams zu sehen, bei denen es sich einer Mitteilung zufolge um „Anton“ und „Miriam“ handeln soll. Die Herrschaften tanzen darin zum Song „Not Like US“ von Rapper Kendrick Lamar durch den Flur des Ministeriums von Danyal Bayaz – mit dicken Geldbündeln in der Hand und im Revers ihrer Anzüge. Dazu gibt es die vollmundige Ankündigung: „Das Finanzamt auf dem Weg, um Deine Nachzahlung zu holen.“
Welle der Empörung in sozialen Medien
Was wohl lustig sein sollte, wird von Bürgern in Zeiten, in denen viele von ihnen jeden Euro zweimal umdrehen müssen, als respektloser Affront empfunden. Engelmann verteidigt die Aktion gegenüber der „Bild“ relativ kleinlaut: „Mit dem Video sind wir auf den Trend aufgesprungen, den Tanz von Kendrick Lamar beim Super Bowl zu imitieren.“ So etwas sei bei Tiktok mittlerweile „üblich“, findet der Beamte.
Doch die Aktion ging gewaltig nach hinten los, die Folge war ein veritabler Shitstorm in verschiedenen sozialen Medien, allen voran auf X. „Mehr Verachtung für den Steuerzahler geht nicht“, lautet eine Meinung; „Bezahlt der Steuerzahler Videos, in denen sich über selbige lustig gemacht wird?“, eine andere rhetorische Frage.
So machen sich Beamte über ihre Bürger lustig.
Ganz toll.
Finanzministerium Baden-Württemberg verhöhnt Steuerzahler 😡🤬🤔🤔🤔🤔 pic.twitter.com/XaPanNnv55— Staatsratte 💙🕊🖤❤️💛🕊 🤍💙❤️ #TeamAlice 💙 (@Staatsrat666) February 28, 2025
Der zuständige Minister Dr. Danyal Bayaz will von dem Video eigenen Angaben zunächst keine Kenntnis gehabt haben und hat inzwischen die Löschung des Skandal-Clips veranlasst. Sehr vielsagend ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich der Grüne zu einer Erklärung genötigt sieht, die im seriösen Politbetrieb und den angeschlossenen Einrichtungen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: „Wir werden künftig noch stärker darauf achten, dass die Kommunikation auch behördlichem Niveau entspricht.“
Bedauern ja, Konsequenzen nein
Eike Möller vom Bund der Steuerzahler Baden-Württemberg hat daran so seine Zweifel, womöglich auch mit Blick auf ähnliche Auftritte von Grünen-Politikern in der Vergangenheit, und rät dem Ministerium deshalb, seine Präsenz auf Tiktok „generell (zu) überdenken und sich lieber auf den Service für die Bürger zu konzentrieren.“
Und genau damit trifft der Landesvorsitzende einen ziemlichen wunden Punkt in unserer Gesellschaft. Bürgerbüros, Finanzämter und ähnliche Behörden werden von einem zunehmenden Teil der Bevölkerung längst nicht mehr als serviceorientierte Stellen wahrgenommen, wie nicht nur die eingangs zitierten Beispiele zeigen, sondern als verlängerter Arm eines immer übergriffiger und willkürlicher handelnden Staatsapparates.
Es passt leider ins Bild, dass Finanzminister Bayaz zwar sein Bedauern über den infantilen bis machtbesoffenen Ausrutscher seines Spitzenpersonals zum Ausdruck brachte, sich an wirklich spürbare Konsequenzen für die Beteiligten aber offenbar nicht herantraut. Dabei wäre das gerade in Zeiten wie diesen ein wichtiges Zeichen an die Bevölkerung – und eine Sprache, die sicher auch hochdotierte Beamte in ihren Elfenbeintürmen der Macht verstehen würden.
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.
Bild: Screenshot X
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