„Wir schaffen das“ – drei Wörter, die Deutschland veränderten. Vor genau zehn Jahren sprach Angela Merkel sie in die Kameras und kein Medium war eifriger als die „Bild“-Zeitung, diesen Satz ins Land zu hämmern. „Refugees Welcome“ prangte im Sommer 2015 in großen Lettern auf der Titelseite und mit der Kampagne „Wir helfen“ wurde aus einer Zeitung plötzlich ein politischer Akteur. Statt Distanz zu wahren, wurde „Haltung“ zur Schlagzeile – und Kritik zum Tabu. Wer damals warnte, wurde als Hetzer, als Spalter, als rechts gebrandmarkt.
Heute macht dasselbe Blatt Schlagzeilen mit Sätzen, die vor ein paar Jahren noch als AfD-Sprech diffamiert worden wären. Ein Autohaus-Chef berichtet dort: Von 20 Flüchtlingen, die er eingestellt hat, haben 14 wieder hingeschmissen. Mehr als zwei Drittel. Die Gründe? Viele wechselten lieber in ungelernt bezahlte Jobs (rund 1.200 €) statt in einer Ausbildung (700–800 €) zu bleiben. Einige seien von einer Großbäckerei abgeworben worden. Zudem zogen manche später zu ihren Clans in Großstädte. „Die meisten sind wieder weg“, sagt der Unternehmer. Eine Bilanz, die so gar nichts mit den Versprechungen von 2015 zu tun hat.
Das ist die Realität hinter den großen Parolen. „Integration durch Arbeit“ lautete einst die Zauberformel. In Talkshows, Reden und Leitartikeln hieß es, der Arbeitsmarkt werde die Brücke sein. Heute zeigt sich: Nicht Arbeit an sich ist unattraktiv, sondern Ausbildung – sie lohnt sich schlicht nicht. Wer sich anstrengt, ist oft der Dumme. Die Rechnung geht auf: weniger Mühe, mehr Geld, soziale Einbindung im Clan.
Während die Realität derart ernüchternd aussieht, verkünden Institute wie das IAB „Erfolge“. Je nach Zählweise/Zeitrahmen liegt die Beschäftigungsquote der 2015-Kohorte bei 64–68 Prozent, so das IAB. Die amtliche BA-Statistik zeigt gleichzeitig 41 Prozent Beschäftigte für Menschen aus den acht Hauptasylherkunftsländern (Stand Mai 2025). So wird aus einem Teilerfolg leicht ein Gesamterfolg gebastelt – je nachdem, welches Fenster man wählt (siehe hier).
Umso bemerkenswerter ist, dass ausgerechnet die „Bild“ jetzt solche Geschichten bringt. Das Blatt, das Merkel den roten Teppich ausrollte, das 2015 mit „Refugees Welcome“ und „Wir helfen“ die größte Kampagne seiner Geschichte startete, dokumentiert nun Alltagserfahrungen, die jede Parole Lügen strafen. Was Kritiker seit Jahren erzählen, steht plötzlich schwarz auf weiß im ehemaligen Jubelblatt. Doch wer nun glaubt, die „Bild“ habe die Seiten gewechselt, irrt. Von einem echten Kurswechsel kann keine Rede sein. Viele Aspekte – wie etwa die Tatsache, dass sich ein erheblicher Teil der Zuwanderer längst im Bürgergeld eingerichtet hat – bleiben in dem Artikel ausgespart oder werden allenfalls ganz am Rande erwähnt. Die „Bild“ räumt nur so viel Realität ein, wie absolut nötig, um nicht völlig lächerlich zu wirken.
Es war nie Unwissenheit, die unser Land in diese Lage brachte. Die Probleme waren bekannt, Experten warnten, Bürger sprachen sie aus. Es war politisches Kalkül, das alles beiseite zu schieben. Migration sollte zur moralischen Nagelprobe werden, zum Beweis deutscher Größe. Wer nicht mitmachte, galt als verdächtig. Medien wie die „Bild“ machten sich zu willigen Vollstreckern dieses Kurses – und die Politik konnte ungestört behaupten, es sei alles im Lot.
Wie viele ähnliche Fälle gibt es? Wer mit Handwerkern, Gastronomen oder Pflegeheimbetreibern spricht, hört ähnliche Geschichten: Abbrüche, Lustlosigkeit, Ernüchterung. Offiziell taucht davon wenig auf. Behörden reden es klein, Statistiken zeichnen ein freundlicheres Bild, Politiker verweisen auf Einzelfälle. Doch wenn selbst die „Bild“ die Bruchlandung groß dokumentiert, ja wohl dokumentieren muss, weil sie allzu offensichtlich ist, zeigt das, wie sehr die Fassade bröckelt.
Zehn Jahre „Wir schaffen das“. Geschafft wurde vieles: die Spaltung der Gesellschaft, die Erosion von Vertrauen, die Beschädigung journalistischer Glaubwürdigkeit. Geschafft wurde ein Sozialstaat, der Arbeit unattraktiv macht. Geschafft wurde eine Integrationsrhetorik, die in der Praxis scheitert. Angela Merkel sagte damals: „Wir schaffen das!“ Vielleicht hatte sie recht. Wir haben es geschafft – nur eben nicht das, was sie versprach. Wir haben es geschafft, ein Land zu werden, in dem selbst die „Bild“ die Ernüchterung nicht mehr verschweigen kann – aber nur so viel, wie es gerade noch erträgt. Für den Rest lügen wir uns weiter durch. Und genau das ist die bitterste Bilanz: Die (Selbst-)Täuschung ist viel lauter geworden als die Wahrheit.
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