Gestern haben die meisten Mainstream- und neuen Medien über die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundes berichtet, zusammengestellt vom BKA und vorgestellt auf der Bundespressekonferenz von Übergangsministerin Nancy Faeser.
Die zum Download angebotene Statistik umfasst 86 Seiten, eine Pressemitteilung fasst den Inhalt auf zwei Seiten zusammen. Mutmaßlich haben sich die meisten Berichte an der Pressemitteilung orientiert, und nur wenige Kollegen haben sich die Mühe gemacht, die 86 Seiten zumindest querzulesen – das lässt sich aus den Medienberichten zum Thema schließen.
86 Seiten? Was offenbar niemanden interessiert: Diese Statistik ist lediglich eine eng gefasste Vorabauswahl des BKA und BMI mit dem Titel „Ausgewählte Zahlen im Überblick“.
Aber wo findet man die komplette Statistik? Dafür muss man tief in die BKA-Webseite eintauchen.
Der Weg führt entlang des Menüs der Webseite wie folgt: Aktuelle Informationen – Statistiken und Lagebilder – Polizeiliche Kriminalstatistik – PKS 2024 – PKS-Tabellen. Man muss die Zwiebel also fünfmal schälen, um überhaupt bei einem Wegweiser mit dem Titel „Wie finde ich was?“ anzukommen:
Dieser führt zu einem prall gefüllten Aktenschrank, aus dem die 86 Seiten der PKS lediglich extrahiert wurden.
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Dort heißt es dann mit multiplen Verlinkungen versehen:
„Wollen Sie wissen, welche Statistiken es gibt, können Sie sich diese auf verschiedene Arten erschließen:
Räumliche Gliederung (Bund/Länder/Kreise/Städte): Wählen Sie diese, wenn Sie wissen möchten, welche Tabellen auf welcher räumlichen Ebene zur Verfügung stehen.
Thematische Gliederung (Fall/Tatverdächtige/Opfer/Belastungszahlen): Wählen Sie diese, wenn Sie wissen möchten, welche Tabellen zu welchem Thema oder Bereich verfügbar sind.
Zeitreihen und Bevölkerungszahlen für das Berichtsjahr 2024 können Sie hier abrufen.
PKS-Ausland: Wählen Sie diese Option, wenn Sie Informationen zu Straftaten erhalten möchten, bei denen der Tatort im Ausland liegt, ein Erfolg der Handlung aber zumindest teilweise in Deutschland eingetreten ist.“
Damit sind Sie in der Höhle des Löwen gelandet und weitergekommen als die allermeisten Journalisten, die über die PKS berichtet haben. Doch hier wird es ungemütlich, denn es erwarten Sie eine große Menge an Excel-Tabellen, die alles andere als lesefreundlich sind – vor allem, wenn die X-Achsen gegen unendlich skalieren. Probieren Sie es ruhig einmal aus.
Die PKS für 2010 war noch als kompakte Broschüre mit 265 Seiten im Download verfügbar: Die Statistik für 2011 umfasste 285 Seiten.
Ab 2012 entschied sich das BKA/BMI offenbar dazu, keine umfassende Gesamtpublikation mehr zu veröffentlichen, sondern eine PKS mit ausgewählten Inhalten anzubieten und im Hintergrund die Aktenberge einfach stapelweise bereitzustellen.
Für das Jahr 2016 etwa gab es nicht weniger als 40 Unterpunkte: Diese enthielten jeweils Dutzende Excel-Tabellen zum Download.
In einem Folgeartikel wird Alexander-Wallasch.de tiefer in dieses „Darknet“ der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) eintauchen und untersuchen, was dort noch lauert, das BKA und BMI nicht in der von den Medien beachteten Pressemitteilung bzw. der 86-Seiten-Kurzfassung bereitgestellt haben.
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Author:
Alexander Wallasch