Es ist nicht irgendein Spieler, der da gehen muss. Es ist Thomas Müller.
Einer, der nie wie ein Agenturprodukt wirkte. Der sich nicht glattpolieren ließ. Der nie vorgab, etwas anderes zu sein als er ist: einer von hier. Ein Mensch mit Stallgeruch, mit Herz, mit Humor.
Dass ausgerechnet er jetzt aussortiert wird – sang- und klanglos, weil „es sportlich nicht mehr reicht“ – ist nicht nur ein Schlag für seine Fans. Es ist die endgültige Kapitulation eines Systems, das alles Menschliche als Störfaktor empfindet.
Thomas Müller steht am Ende einer Entwicklung, die den Fußball in ein Hochglanzprodukt verwandelt hat. Mit Marketingsprech, mit Investoren, mit Nachhaltigkeitszertifikaten und moralischem Beipackzettel. Aber ohne Seele.
Wer heute einen Verein besucht, erkennt vieles – nur keine Heimat mehr. Spieler rotieren im 6-Monats-Takt, Trainer sind Verbrauchsmaterial, die Stadien haben Fantasienamen. Und wenn einer wie Müller noch irgendwo für Kontinuität steht, wird er wegrationalisiert.
Dabei war Fußball einmal genau das Gegenteil.
In den 60er- und 70er-Jahren war er ein Stück lokaler Identität. Die Spieler kamen aus der Region, der Trainer kannte noch die Familien der Spieler, der Präsident war ein Bauunternehmer oder Wirt – und kein Markenstratege mit Krawatte. Die Zuschauer kannten ihre Spieler nicht von Instagram, sondern vom Bäcker. Es war ein Sport, in dem man sich erkannte. Und vielleicht gerade deshalb liebte.
Heute ist der Fußball zur Bühne eines entfesselten Geschäfts geworden. Fernsehgelder, Aktiengesellschaften, Image-Kampagnen. Wer nicht mitzieht, fliegt. Wer Haltung zeigt, wird entsorgt.
Ein Beispiel dafür ist Carsten Ramelow, Vizeweltmeister, Bundesligaspieler mit über 300 Einsätzen, bekannt für seine ruhige, integre Art. In der Corona-Zeit äußerte er Zweifel am politischen Kurs, gab mir ein Interview – sachlich, differenziert, unaufgeregt. Und allein das reichte, um ihn im eigenen Verein zur Persona non grata zu machen – obwohl er längst nicht mehr aktiv war (siehe hier). Parallel dazu veröffentlichte ich ein Video-Interview mit dem früheren Weltmeister Thomas Berthold – auch dieses wurde zensiert, mein YouTube-Kanal danach gesperrt (siehe hier). Wer damals auch nur leise Fragen stellte, statt vorauseilenden Gesinnungs-Gehorsam zu üben, wurde aus dem System gedrängt, ja geächtet.
Doch das gilt nicht nur bei Corona. Wer heute den Mund aufmacht, steht schnell alleine da. Der Fußball war mal ein Ort für Charaktere. Heute ist er ein Raum für Funktionäre. Und für Linientreue. Nur ein Beispiel: Der ehemalige Nationaltorwart von Ungarn, Zsolt Petry, Torwarttrainer beim Berliner Fußballbundesligisten Hertha BSC, wurde 2021 mit sofortiger Wirkung freigestellt – einzig und allein wegen migrationskritischer Aussagen in einem Interview (siehe hier). 2024 wurde Ex-Nationalspieler Kevin Behrens (33) zum Ziel einer medialen Hetzjagd. Sein „Verbrechen“: Er hatte sich geweigert, ein Trikot unterschreiben, mit dem der Verein nach eigenen Angaben „ein Zeichen für Vielfalt und Toleranz setzen“ wollte.
Ich selbst bin in einer Stadt aufgewachsen, die damals keinen Fußball zum Mitfiebern bot. Der FC Augsburg war sportlich bedeutungslos, Identifikation unmöglich. Später – in einer Phase, als ich im Ausland lebte – wurde der Verein plötzlich erfolgreich. Und tatsächlich begann ich mitzufiebern.
Doch irgendwann wich die Freude der Erkenntnis: Dieser Verein hat mit Augsburg genauso viel zu tun wie ein amerikanisches Franchise mit lokaler Bindung. Trainer aus Dänemark, Kader aus aller Welt, keine erkennbare DNA.
Und schlimmer noch: Der Profifußball ist zu einem politischen Schauplatz geworden. Die Vereine machen Männchen vor jedem rot-grünen Zeitgeist, präsentieren sich als Antidiskriminierungs-Champions, Gender-Vorreiter, Klimaaktivisten, Diversity-Apostel – aber wenn es um Menschlichkeit oder echte Haltung geht, wird’s plötzlich still. Leider auch beim FC Augsburg, der inzwischen mehr mit Imagepflege als mit der Stadt selbst zu tun hat. Ausgerechnet dieser Verein, der einmal so wenig hatte und nun alles daransetzt, mit den Großen mitzuspielen – und dabei jeden Bezug zur eigenen Herkunft verliert.
Lange hat mein Herz noch mitgelitten, gehofft, gezittert. Irgendwann habe ich damit aufgehört.
Nicht, weil mir Fußball egal ist. Sondern weil ich das Gefühl verloren habe, dass er noch etwas mit mir zu tun hat. Ich schaue keine Ergebnisse mehr. Ich habe mich auf Diät gesetzt – gegen das Fieber, das ausgerechnet von einem Spiel kommt, das längst keines mehr ist.
Thomas Müller hätte bleiben müssen. Nicht aus Sentimentalität, sondern aus Vernunft. Weil ein System, das die letzten verbindenden Figuren ausstößt, am Ende nur noch aus Zahlen besteht. Und aus Geld – viel Geld. Obszön viel Geld. Die Summen, die heute für Transfers, Gehälter und Berater fließen, spotten jeder Bodenhaftung. Sie stehen in groteskem Gegensatz zur Heimatlosigkeit, die der moderne Fußball bei seinen Fans hinterlässt.
Und wer sich wundert, warum immer mehr Menschen sich innerlich abwenden: Hier ist die Antwort.
Der Fußball war mal ein Ort für Gefühle. Heute ist er ein Ort für Kampagnen.
Er war mal ein Spiegel der Gesellschaft. Jetzt ist er ihr Werbeprospekt.
Er war mal unser. Jetzt gehört er irgendwem.
Und manchmal, ganz selten, bleibt einer wie Thomas Müller übrig. Und erinnert uns daran, was einmal war.
📘 Meine Buchempfehlung zu diesem Thema:
Wenn Haltung wichtiger wird als Leistung
Was passiert, wenn Leistung nicht mehr zählt – und Sportler zu moralischen Maskottchen degradiert werden? Dieses Buch rechnet ab mit einem System, das seine Besten vergisst – und seine Lautesten belohnt.
Zum Buch: „Aufstand der Leistungsträger“
„UN-fähig“ in New York: Wie Merz Baerbock peinlich nach oben rettet – und was dahinter steckt
Eine Billion neue Schulden – gesamte Union knickt feige ein! Der Bückling des Jahres vor Rot-Grün
Merz & SPD hebeln Wählerwillen aus – der dreiste Coup gegen die Demokratie!
Bild: fokke baarssen / Shutterstock.com
Bitte beachten Sie die aktualisierten Kommentar-Regeln – nachzulesen hier. Insbesondere bitte ich darum, sachlich und zum jeweiligen Thema zu schreiben, und die Kommentarfunktion nicht für Pöbeleien gegen die Kommentar-Regeln zu missbrauchen. Solche Kommentare müssen wir leider löschen – um die Kommentarfunktion für die 99,9 Prozent konstruktiven Kommentatoren offen zu halten.
Mehr zum Thema auf reitschuster.de
Fußball, Darts und Kampfsport unter Nazi-Generalverdacht?
Wird der deutsche Sport von bösen Rechten unterwandert? Mit Millionen-Förderung soll genau dieses Feindbild genährt werden. Doch die gewählte Methode ist so perfide wie durchschaubar – und vor allem selbstentlarvend.
„Fußball und Politik sollten nicht vermischt werden“ – jetzt auf einmal
Die selben Politiker und Journalisten, die bei der WM in Katar die (Regenbogen-)Politisierung bis zum Exzess trieben, haben sich nun in Sachen „Wolfsgruß“ um 180 Grad gewendet.
Mischen Männer bald den Frauenfußball in Deutschland auf?
Trennung von Geschlechtern im Sport? Überflüssig! Glaubt zumindest der DFB. Seit dieser Saison kann jeder, der es will, im anderen Geschlecht antreten. Massive Wettbewerbsverzerrung und Verletzungsrisiken müssen hinter Ideologie zurückstehen. Von Kai Rebmann.